Portrait der LWK RLP: Neue Tradition in alten Fässern

„Ich bin ein Aromenjunkie“, sagt Steffi Klöckner und zeigt ihr ansteckendes Lächeln. Die 51-Jährige ist im Unternehmen für die Produktentwicklung zuständig. „Mein Mann kümmert sich um die Zahlen“, sagt die studierte Betriebswirtin, die auch eine Sommelier-Ausbildung besitzt. Seit die beiden die Geschäfte führen, hat sich viel getan. Die Geschäftsräume wurden erweitert, der Getränkehandel von der Brennerei getrennt und neue Vermarktungsideen geboren. So entstand etwa die Erlebnisbrennerei. Kunden haben hier die Möglichkeit, Brennereiluft zu schnuppern. „Wir möchten den Leuten zeigen, was eine Spirituose alles ist und kann.“ Die Angebote reichen von einer klassischen Führung über einen Genussabend und ein Gin- oder Whisky-Tasting bis hin zu einem Destillationskurs. Die Klöckners lassen sich gerne ein wenig in die Karten beziehungsweise in den Kessel schauen. „Wir lieben es, Gastgeber zu sein, und sind so auch gute Botschafter für den Westerwald“, ist Klöckner überzeugt. 


Ja, der Westerwald – er ist für die Familie viel mehr als der Produktionsstandort. Verwurzlung ist so ein Begriff, der bei Steffi Klöckner immer wieder fällt. 1848 als Kornbrennerei im Nebenerwerb von Peter Klöckners Vorfahren gegründet, hat sich die Brennerei im Laufe der Zeit zu dem modernen Unternehmen entwickelt. Die Wurzeln sind aber immer noch erkennbar – ganz bewusst. „Neue Tradition in alten Fässern“ ist der Wahlspruch, der die Firmenphilosophie sehr gut beschreibt.  „Wir sind stolz auf unsere lange Tradition. Aber wir sehen sie nicht als Ruhekissen. Wir sind unwahrscheinlich neugierig und probieren gerne neue Dinge aus.“ Außerdem gehe es darum, das Unternehmen fit für die nächste Generation, die mit den Söhnen Lukas und Jonas schon bereitsteht, zu machen.

Ausgezeichnete Azubis und Erzeugnisse
Das Motto spiegelt sich auch in den Produkten wieder. Traditionelle Erzeugnisse im original Tonkrug wie der „Westerwälder Korn“ oder das „Basaltfeuer“ finden sich genauso im Repertoire wie ein „Limetten-Gurken-Likör“ oder ein „Möhrenbrand mit Honig“. Im Jahr 2002 wird der erste Whisky destilliert, elf Jahre später der erste Gin. „Wobei wir schon immer mit Wacholderbeeren, der Basis in der Gin-Produktion, gearbeitet haben und daher auf eine große Erfahrung zurückgreifen konnten“, informiert Steffi Klöckner. Auch eine ganz aktuelle Strömung könnte der Brennerfamilie in die Hände spielen. „Aus Berlin kommt gerade der Korntrend. Und das Kornbrennen ist ja unser Ursprung“, so Klöckner. „Mal sehen, wie sich dieser Bereich künftig entwickelt.“ Das Unternehmen scheint für die Zukunft gerüstet zu sein. Rund 30 Mitarbeiter bringen ihr Know-how auf Vollzeit-, Teilzeit- oder Minijob-Basis ein. In sieben Destillen auf dem Hof arbeiten fünf Destillateure, unter ihnen zwei Destillateurmeister. Sie maischen, destillieren, betreiben Fassmanagement und geben ihr geballtes Wissen gerne und gut an Auszubildende weiter. Bereits mehrere Male legten die Birkenhof-Azubis bundesweit die besten Prüfungsergebnisse ab. Genau wie sie werden auch die Produkte immer wieder auf  Landes- und Bundesebene ausgezeichnet. Bei der Landesprämierung errang der Betrieb bisher beispielsweise vier Staatsehrenpreise sowie sechs Ehrenpreise und stellte drei Siegerbrände.
Keine Frage: Steffi Klöckner brennt für ihre Arbeit, für ihr Unternehmen. Sie strahlt Lebensfreude aus und ist eine absolute Expertin, in dem was sie tut. Dabei bleibt sie zu einhundert Prozent authentisch. „Wir haben einen absoluten Qualitätsanspruch gepaart mit Leidenschaft und einem Hauch Perfektionismus“, sagt die Westerwälderin. „Das leben wir jeden Tag.“  


Wer nun Lust auf einen Edelbrand, Likör oder Whisky bekommen hat, kann diesen zum Beispiel im Online-Shop bestellen. Es lohnt sich aber auch ein Besuch auf dem Birkenhof. Dort verkaufen die Klöckners ihre Produkte im eigenen Laden. Kurse und Führungen können online gebucht werden. Ein Besuch auf der Internetseite www.birkenhof-brennerei.deist auf jeden Fall zu empfehlen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Das Erlebnis Brennerei gibt’s aber nur vor Ort in Nistertal.

Hintergrundinformation:
Seit 1998 prämiert die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz bei ihrer jährlichen Edelbrandprämierung herausragende Produkte von regionalen Brennereien und Destillerien. Unter dem Motto "Dauerbrenner" stellen wir Ihnen einmal im Quartal einen Teilnehmer der Prämierung und dessen Betrieb vor.

 

Erschienen auf lwk-rlp.de, 14.03.2019

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