Aus der Rhein-Zeitung vom 14.08.2026 | Von Markus Müller:

 

„Birkenhof gewinnt in sieben Disziplinen Medaillen

Beim International Spirits Award 2026 holt Nistertaler Brennerei in sieben Kategorien die Spitze – Rote-Bete-Brand wird Gesamtsieger

 

Nistertal. Zwischen einem Eierlikör und einem Single-Rye Roggenwhisky liegen sogar für den Laien in Sachen Spirituosen Welten – handwerklich, geschmacklich, kulturell. Aber die Birkenhof-Brennerei aus Nistertal gewinnt mit ihren Produkten in beiden Kategorien. Und in fünf weiteren dazu: Beim International Spirits Award (ISW) des Meininger Verlags, einem der angesehensten Branchenwettbewerbe im deutschsprachigen Raum, hat das Familienunternehmen in diesem Jahr sieben Sonderauszeichnungen und insgesamt 19 Goldmedaillen errungen. Tim Allgaier, Spirituosenexperte und Chefredakteur im Meininger Verlag und Verkostungsleiter Christian Wolf haben diese grandiose Leistung jetzt zum Anlass genommen, persönlich nach Nistertal zu kommen, um die vielen Urkunden zu übergeben. Und die Liste der Auszeichnungen liest sich wie ein Querschnitt durch das gesamte Spektrum der Destillierkunst: LUK Vintage Korn wird nach 2024 erneut Korn des Jahres, Fading Hill Single Rye Roggenwhisky zum zweiten Mal in Folge Rye des Jahres, der Vogelbeerbrand Obstbrand des Jahres. In der Likör-Sparte holt der Birkenhof-Eierlikör zum dritten Mal nach 2023 und 2025 den Titel Eierlikör des Jahres, der Haselnusslikör aus Nistertal wird Haselnusslikör des Jahres, der Cassislikör Fruchtlikör des Jahres – und das auch zum zweiten Mal in Folge. Und über allem steht der Rote-Bete-Brand der Westerwälder Brennerei als Spirituose des Jahres. An ihn ging die höchste Einzelauszeichnung des gesamten Wettbewerbs.

Was diese Bilanz bemerkenswert macht, ist nicht die Zahl der Titel allein. Es ist die Spannweite, sind sich die beiden Spirituosenexperten einig: "Wer in einer Disziplin gewinnt, beherrscht sein Fach. Wer in sieben grundverschiedenen Disziplinen gleichzeitig an der Spitze steht – vom Korn über den Obstbrand bis zum Roggenwhisky, vom Fruchtlikör bis zur Gesamtwertung – der arbeitet auf einem Niveau, das sich nicht mit einer einzelnen Rezeptur oder einem glücklichen Jahrgang erklären lässt." Die Erklärung dafür liegt wohl im Haus selbst. Die Birkenhof-Brennerei, gegründet 1848, wird heute in siebter und achter Generation von der Familie Klöckner geführt. Peter Klöckner, Geschäftsführer, Inhaber und Destillateurmeister, war 1988 der beste Absolvent seines Jahrgangs. Gemeinsam mit Steffi Klöckner leitet er ein Unternehmen, das sich von Anfang an nie auf eine einzige Produktlinie reduzieren ließ. Genau darin liegt der Schlüssel zum Erfolg.  Sohn Jonas Klöckner, Master Distiller, verantwortet heute den Brennkessel. Bereits 2021 wurde er als Young Craft Distiller of the Year ausgezeichnet. Zwei Prüfungsbeste, eine Brennerei, acht Generationen – und sieben Titel als Beleg, dass die Weitergabe von Wissen und Anspruch funktioniert. Dass ausgerechnet der Rote-Bete-Brand die Gesamtwertung gewinnt, passt ins Bild. Rote Bete zu destillieren ist keine naheliegende Idee. Es erfordert Neugier, ein tiefes Verständnis für den Rohstoff und den Willen, das Bekannte zu erweitern, ohne das Bewährte aufzugeben. Dass im selben Wettbewerb auch der LUK Vintage Korn und der Vogelbeerbrand gewinnen, zwei Destillate, die tief in der klassischen Tradition des Westerwälder Hauses verwurzelt sind, bestätigt: Innovation und Handwerkstradition schließen sich in Nistertal nicht aus. Sie bedingen einander.

Die Birkenhof-Brennerei ist als Erlebnisbrennerei mit rund 20.000 Besuchern jährlich auch ein Ort, an dem sich dieses Handwerk direkt erleben lässt: in Führungen, Tastings und Workshops. Wer verstehen will, wie sieben Disziplinen unter einem Dach zusammenfinden, kann sich davon in Nistertal ein eigenes Bild machen.

Aktuell sind deshalb die Klöckners wieder dabei, ihren Betrieb zu erweitern. So soll eine Distillers Lounge demnächst auch Besuchern und Kunden, die keine Führung gebucht haben, ermöglichen, die Brennerei hautnah zu erleben und dort unverbindlich das eine oder andere Produkt zu probieren. Zusätzlich werden eine Aussichtskanzel für den Blick in die Produktion und Büroräume gebaut.“